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Blaulicht-Cuxhaven.de
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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 318 mal aufgerufen
 Dienstgestaltung
eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

24.07.2015 01:00
Einsätze mit Biogasanlagen überleben Antworten

Eine Überschrift die animieren soll reinzulesen... denn es geht um viel: das Überleben von euch und euren Kameraden

Zitat von BASTELANLEITUNG AUSBILDUNGSABEND BIOGAS (c) Markus Weber
Heute wurde in einem Facebookforum für Feuerwehrleute eine Anfrage nach Anregungen für einen Ausbildungsabend auf einer Biogasanlage gestellt. Nach mehreren Beiträgen wurde irgendwann mein Name verlinkt und ich habe in einer Pause kurz geschrieben, dass ich dem Ausbilder in spe heute Abend ausführlicher zu seinem Thema antworten werde. Fast gleichzeitig erreichte mich ein Beitrag eines Kreisfeuerwehrverbandes, der eine Führungskräftefortbildung zum Thema Biogas durchführte und ausführlich zu den dort gewonnenen Erkenntnissen Bericht gab.

Beides hat mich auf meinen Überlegungen während der Heimfahrt zu dem Schluss geführt, dass ich die Sache gerne ausführlicher beantworten möchte. Das möchte ich hiermit tun, auch wenn die Antwort auch in vier Worten gegeben werden könnte:

Lass die Finger davon! (WIRKLICH! Du richtest mehr Schaden an - auch wenn du es gut meinst!)

biogasanlage.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Aber, da ich davon ausgehe, dass diese Antwort den Fragesteller nicht von seinem Vorhaben abbringen wird, und weil ich ja auch eine Lösung anbieten will, wie es richtig geht kommt hier die versprochene ausführliche Antwort. Dabei ist es nicht mein Ziel, den Fragesteller anzuprangern. Er sollte sich beim Lesen dieser Zeilen einfach an einem Ausspruch meines sehr geschätzten Chemielehrers in der Oberstufe, Studiendirektor Lange, orientieren nachdem er mich an der Tafel eine Schulstunde lang mit Stöchiometrie gequält hatte: "Nehmen Sie es nicht persönlich Weber, ich habe ihren Dilettantismus nur exemplarisch für die restlichen 21 Versager in diesem Raum vorgeführt."
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Es wäre schön, wenn die Menschen sich so benehmen würden, als seien wir alle aufeinander angewiesen.

Blaulicht Offline

Administrator

Beiträge: -990157

24.07.2015 07:07
#2 RE: Einsätze mit Biogasanlagen überleben Antworten

Danke, dass Du das verlinkt hast.

Zuerst dachte ich, was fürn sch.... langer Text. Plötzlich konnte ich nicht mehr aufhören, weiterzulesen.
Es ist so realitätsnah geschrieben, dass ich mich wie "mittendrin" gefühlt habe.

Bitte unbedingt jeder lesen !

Blaulicht

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eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

25.07.2015 09:46
#3 RE: Einsätze mit Biogasanlagen überleben Antworten

Es ist zwar gut 10 Jahre her...

Zitat von DIE WELT 10.11.05



Unfall in Biogas-Anlage fordert viertes Todesopfer Ursache für schwere Havarie in Firma bei Zeven weiter ungeklärt - Anlage kann nur mit Atemschutzmasken betreten werden

Der schwere Unfall in einer Biogasanlage in Rhadereistedt bei Zeven (Kreis Rotenburg) hat ein viertes Todesopfer gefordert. Am Mittwoch sei auch ein schwerverletzter Lastwagenfahrer gestorben, teilte die Polizei mit. Der 55jährige stammt aus den Niederlanden. Wenige Stunden zuvor war eine 32 Jahre alte Mitarbeiterin des Betriebes ihren Verletzungen in einer Klinik erlegen.

Der 43 Jahre alte Betriebsleiter und ein 30 Jahre alter Mitarbeiter waren bei dem Unglück am Dienstag unmittelbar nach dem Einatmen giftiger Gase gestorben. Ein schwerverletzter 25jähriger wird weiter in einem Krankenhaus behandelt. Sein Zustand gelte als "stabilisiert". Der Mann ist Kraftfahrer, erläuterte die Polizei. Er hatte nach der Entdeckung des Unglücks die Feuerwehr alarmiert.

Die Ursache des schweren Unfalls ist nach Angaben des Gewerbeaufsichtsamts Cuxhaven weitgehend geklärt. "Wir gehen davon aus, daß beim Entleeren eines Tankfahrzeugs mit gehäckselten Schweinedärmen eine Schwefelwasserstoffwolke in ungewöhnlich hoher Konzentration frei geworden ist", sagte der Sprecher der Behörde, Jörg Hoppe.

"Wer das zweimal einatmet, hat keine Überlebenschance mehr", sagte Hoppe. Die Konzentration des giftigen Gases müsse den Messungen zufolge 5000mal höher gewesen sein als der Schwellenwert, bei dem das Gas überhaupt wahrgenommen werden kann. Bei diesem Extremwert werde der menschliche Geruchssinn sofort betäubt und ausgeschaltet. Auf Störungen in der Anlage selbst weise bisher nichts hin. Ob es in dem Abfall-Tank außer Schweinedarm auch noch andere Stoffe gegeben habe, müsse noch geprüft werden. Bei früheren Lieferungen seien keine Probleme aufgetreten.

Schwefelwasserstoff entsteht bei der Zersetzung tierischer Eiweiße. Auch die übrigen von der Feuerwehr nach dem Unglück registrierten Gase Ammoniak und Methan entstehen bei den Zersetzungsvorgängen.

Ein weiterer Mitarbeiter der Biogasanlage und der Fahrer des aus den Niederlanden stammenden Lastwagens mit den Schweinedärmen liegen noch immer schwerverletzt im Krankenhaus. Beim Bergen der Opfer erlitten zehn Feuerwehrleute leichte Verletzungen durch Hautreizungen.

Am Tag nach dem Unfall war die Gaskonzentration in der Betriebshalle nach Polizeiangaben noch so hoch, daß die Biogasanlage zunächst nicht betreten werden konnte. "Es handelt sich immer noch um eine tödliche Konzentration", sagte ein Polizeisprecher. Die Anlage wurde heruntergefahren. Die biologische Reaktion in den Faultürmen geht nach Unternehmensangaben aber nur langsam zurück. Die Biogasanlage verarbeitet Bioabfälle aus der Landwirtschaft und privaten Haushalten, flüssige Schlachtabfälle sowie Produktionsreste aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie.
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Was wird verarbeitet?
Was kann an Atemgiften entstehen?

Vor einem derartigen Hintergrund und verbunden damit, dass wir in der Fläche als ersteintreffende Einheiten in aller Regel keine Chance habe zu erkennen mit WAS wir es zu tun haben, ist selbst "schnell mit Atemschutz rein retten und wieder raus" stark in Frage zu stellen.
Mit diesem Hintergrund ist ein Biogas-Anlagen-Unfall eine ernst zu nehmende Gefahrgutlage und kann nur nach GAMS abgearbeitet werden.

Einsatzvorbereitung bedeutet

- das Objekt kennen zu lernen,
- Anfahrtwege mit verschiedenen Windrichtungen zu kennen (und das bei Alarmierung zu prüfen)
- Möglichkeiten der Deckung und Senken zu kennen,
- Alle erforderlichen Telefonnummern parat zu haben
- eine angemessene AAO zu schaffen, um reagieren zu können.

Passt auf euch auf!

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