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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 309 mal aufgerufen
 Dienstgestaltung
eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

01.02.2016 15:48
Personensuche. antworten

Es hat sich ja mittlerweile rumgesprochen, dass die Türöffnungsprozedur beim Eindringen in ein Gebäude zum Innenangriff eine
- Beobachtung an der Tür vor dem Öffnen (sehe ich Rauch herausquellen, erkenne ich eine Rauchschicht/Feuerschein hinter einer Verglasung)
und dann zuerst
- das kurze hineinblicken beinhaltet.
Wenn die Tür kurz einen Spalt weit geöffnet und dann gleich wieder geschlossen wird, habe ich Zeit das weitere Vorgehen zu überlegen. Ich kann uU den Rauch beurteilen (Geschwindigkeit, Beschaffenheit, Farbe, Strömt er raus, zieht Luft rein, kommt z.B. oben Rauch und unten Luft?) und Schlüsse daraus ziehen, bekomme einen ersten Einblick in die Raumgeometrie und sehe vielleicht schon Personen die im Fluchtweg liegen (reinleuchten / WBK auch bei Tage Handlampe).

Sobald der Trupp dann im Gebäude und die Türkontrolle eingerichtet ist, geht es mit der Sucherei los. Zum einen muss ich den Brandherd lokalisieren, die Zustände im Gebäude laufend beurteilen, Kontakt zum Truppmitglied halten, meinen Schlauch nachführen (Kanten und Ecken sind doof ;) ) aber auch mein übriges Geraffel hinterher ziehen und bei Bedarf meinen Anmarschweg durch Raum- oder Rauchgaskühlung sichern und vielleicht auch schon das Feuer vor mir löschen.
Dass das nicht "mal eben so" geht, versteht sich von selbst. Dann noch jemanden zu suchen und finden... Kurzum das muss laufend geübt werden, damit der Trupp auf das Vorgehen bei der Suche und vor allem die Orientierung nicht zu viele Gedanken verschwenden muss (es ist schlicht keine Denkkapazität mehr da ...).

Das Üben beginnt mit der Suche bei Sicht - hier lernt man die Vorgehensweise, vertieft die Kenntnisse bei eingeschränkter Sicht und dann schult man sich bei Null-Sicht und zusätzlichen Streßfaktoren.

Das nette "Motivationsvideo" macht sehr deutlich was zufällig suchen vom gezielten Suchen unterscheidet..

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Es wäre schön, wenn die Menschen sich so benehmen würden, als seien wir alle aufeinander angewiesen.

eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

15.11.2016 23:49
#2 Personensuche antworten

Menschenrettung
Regelmäßig geübt - Standardaufgabe - haben wir auf der Pfanne..

Ja?

Dieses Video hat ein amerikanischer Kamerad gepostet und (https://www.facebook.com/idahowilderness...711785625652246)
mit einem entsprechenden Text versehen, grob und frei übersetzt:

"Sehen sie das Video bis zum Ende...
Die Suche kann extrem schwierig sein. Viele von uns wurden ausgebildet eine Suche durchzuführen. Mit besten Absichten wurden wir ausgebildet, wie man während der Suche nicht verloren geht oder getötet wird (am Schlauch beleiben, Leinen mitnehmen, immer zusammen bleiben, Lagemeldungen abgeben). Weniger Aufmerksamkeit wurde vermutlich darauf gelegt wie man ein Opfer in einem Brandraum findet. Ihr meint doch doch das haben wir gemacht..
Nicht mit welcher Technik sondern wie. Es gibt immer Risiko von vermissten Opfern. Trotzdem haben wir zügig vorzugehen. Bestimmte Bereiche sollten besonders abgesucht werden (in der Waschmaschine in der Küche wird vermutlich niemand sein.. aber beim tasten kann es sein, dass wir einige Zeit darauf verwenden uns zu versichern dass das eine Waschmaschine ist (Lagemeldung "Waschmaschine gefunden" - ist ja immerhin was.. und in jedem von uns steckt der kleine Abenteurer der Schnitzeljagd spielen will. Und: selbdt erlebt wie freudig man bekannte Gegenstände im bei der Vermißtensuche ertastet - ist eine Art positiver Erleichterung... doch das ist es nicht!). In vielem werden wir ausgebildet ...
Aber:
Wie gut sind wir bei der Identifizierung beim Tasten mit unseren Handschuhen? Erfühlen wir, was ein echtes Opfer (Erwachsener, Kind oder Säugling) ist? Wenn wir noch nie ein bewusstloses Kind gefühlt haben, wie sollen wir es bei Nullsicht sicher identifizieren?
Ich habe keine Lösung möchte nur zum nachdenken anregen. Damit uns erspart bleibt hinterher zu erfahren, was wir nicht erfühlt haben....

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eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

17.11.2016 12:43
#3 RE: Personensuche antworten

Nach diesem Post habe ich doch ein paar Gedanken darauf verwendet wie man Suchen und Retten im Innenangriff vor diesem Hintergrund beüben kann., Es geht darum vermisste Personen, große, kleinere und ganz kleine zu ertasten, sicher identifizieren zu können und dann zu retten,.
Das einfache vorweg ( kommt auch in der verlinkten Seite vor): die Mehrheit der Opfer wird scheinbar schlicht mit den Händen (ggf Bandschlinge ??) rausgeschafft, besondere Rettungstechniken scheinen ersteinmal nicht erforderlich zu sein.

Das Problem sehe ich darin, dass Dummies sich meistens so garnicht wie Mensch (auch und besonders bewusstlos und ohne Körperspannung) anfühlen. Echte Menschen bergen immer ein Verletzungsrisiko.
Mein erster Gedanke, die Suche und Rettung in zwei Abschnitte zu teilen:
- das Auffinden vermisster Personen
- die Rettung vermisster Personen
Hier könnte ich im ersten Teil dann wirklich echte Menschen einsetzen, wenn ich nun nicht gerade mit dem Halligan um mich schlage. Statt Dunkelheit eine abgedunkelte Maske des Suchenden und Sicherheitspersonal dass darauf achtet, dass die Übungsverletzten nichts abbekommen.

Erwachsene Übungsvermisste habe ich recht einfach: hier können andere Feuerwehrangehörige aushelfen - die kennen das Geschäft.
Bei Kindern und Jugendlichen bliebe vielleicht noch die Unterstützung durch Jugendfeuerwehr aber das wird rechtlich schon sehr schnell eng. Bei Kleinkindern und Säuglinge – Fehlanzeige.
Ich habe mich an Brian Olsen (den Verfasser des Ursprungsposts) gewandt und der bestätigte zunächst, dass ihn das gleiche Problem umtreibt um dann aber einen tollen Tipp parat zu haben, den ich immer besser finde je länger ich darüber nachdenke.
Ich gebe zu, zuerst war ich ziemlich erstaunt und habe viele Gegenargumente gefunden: „Das fühlt sich doch nicht wie ein Kind an..“, und so weiter.
Doch mittlerweile sehe ich dass es nicht darum geht „Kind“ zu ertasten sondern etwas „kleines Weiches“ in der Wohnung zu erfühlen und DANN genauer hinzufühlen was das sein könnte (Eltern sind jetzt mal richtig im Vorteil … Augen zu und kuscheln… ).
Aber lest selbst – auch das nur als Anregung:

(…) Eine andere großartige Trainingsmethode die wir häufig nutzen um das Suchen und Retten von Kindern zu üben, ist die Suche nach Sandwichtoast („loaves of bread“ – Brotlaibe, mit dem Wissen von den sehr soften amerikanischen Broten kommt da der Sandwichtoast für mich in Frage) . Mit ist klar, dass das albern klingt aber ein Toastbrot hat ungefähr die gleiche Größe wie ein Kleinkind und ist ebenso weich. Es geht also darum einen Sandwichtost zu finden und ihn ohne Beschädigung nach draußen zu bringen. Toastbrot ist preiswert und schnell verfügbar und vielleicht das realistischste was ich finden konnte, wenn es um das Fühlen geht. Falls ich mal den perfekten Dummy gefunden habe sollte, werde ich das sicher teilen aber ich denke das dauert länger als ich aktiv in der Feuerwehr bin.

20161117_134004.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Während der Brot-Suche kommen auch einige Fragen auf..
Wenn du mit einem Werkzeug suchst, merkst du dabei den Unterscheid zwischen einer Couch einem Sofakissen und einer Person? Kannst du ein Kind sicher identifizieren? Vielleicht musst du deine Handschuhe dazu ausziehen? Deine Gedanken dazu? Würdest du das tun, um Dinge besser zu identifizieren? Etwas um mal darüber nachzudenken bevor man es gleich ablehnt.“

Besser als der Schaummittelkanister ist es allemal...

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