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Dieses Thema hat 12 Antworten
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 Dienstgestaltung
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eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

16.02.2013 10:56
Innenangriffstraining Antworten

Bei diesem Thema dauert es meist nicht lange bis Begriffe wie Flash over, Rauchgasdurchzündung, Seitenkriechgang usw fallen. Doch ist das die Realität?
Ist Rauchgaskühlung unser täglich Brot bei der Brandbekämpfung.

Dieses Video aus Österreich zeigt einen Innenangriff und die Brandbekämpfung dabei. Es sind sicher einige "Fehler" feststellbar und auch gut im Rahmen der Ausbildung anzusprechen, aber im Grundsatz ist das recht vernünftige Feuerwehrarbeit. Besonders der Innenangriff anstelle eines massiven Wassereinsatzes im Außenangriff, wie leider immer wider gesehen, ist hier gut dokumentiert. Und es ist nicht immer die niedrigste Bewegungsart und das Impulslöschverfahren gefordert - manchmal reicht auch eine einfache Brandbekämpfung.

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Es wäre schön, wenn die Menschen sich so benehmen würden, als seien wir alle aufeinander angewiesen.

eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

29.06.2013 00:05
#2 RE: Innenangriffstraining Antworten

Innenangriffstraining heißt heute auch fast immer Hohlstrahlrohrtraining.
Meist dauert es dann nicht allzu lange, bis (siehe vorherigen Beitrag) der Begriff Flash-Over fällt. Genauso schnell wird dann munter de Seitenkriechgang und vor allem der Flashover-Reflex geschult.
Ich denke wir sind uns alle einige, das ein Flashover das ist, was der AT im IA NICHT erleben will/sollte. Das heißt natürlich auch, dass der Schwerpunkt der Ausbildung auf die Vermeidung dieser Situation gelegt werden sollte. Davon unabhängig wird in der letzten Zeit gerade der - oft sehr eifrig trainierte - Flashover-Reflex, das Aufreißen des HSR mit einem Abstrahlwinkel von ca 120° als Mannschutz diskutiert wird.
Es wird kritisiert, dass der Mannschutz nicht wirksam ist und vor allem, dass die FwA sehr auf dieses Aufreissen fixiert sind ohne die logische Folge: "Raus hier" umzusetzen.
Ein Grund für das nicht gute Funktionieren des Mannschutzes wird in dem hydraulischen Effekt gesehen, durch den die brennenden Gase hinter den Trupp gesogen werden und ihn dort der thermischen Wirkung aussetzen.
Nicht zu vergessen, dass der Flashover nur den Übergang zum Vollbrand des Raumes darstellt ...

Diese beiden Videos zeigen erschreckend deutlich das "Versagen des Flashover-Reflexes" ganz offensichtlich wird hier der Brandbekämpfung in "freudiger Erwartung" das Ausbildungszieles Flashover-Reflex wenig Bedeutung zuerkannt.




Bei 11-12 Sekunden schlagen die Flammen hinter den Trupp - in der Realität wäre hier kein Scheunentor zu dem die Flammen herausschlagen und die Wärmestrahlung abziehen kann.

https://www.facebook.com/video/embed?video_id=10151218031595100

Hier sieht man deutlich dass die Trupp eigentlich nichts gegen die Brandausbreitung bewirt trotz angedeuteter Z- oder Pinseltechnik - die Flammen schlagen einige hinter hinter den Trupp und damit ist der AT vllt von vorne geschützt aber von hinten flammenbeaufschlagt.

Auch wenn das graue Theorie ist, denke ich muss der AT wissen das der Flashovereflex NICHT die Lösung aller Probleme bei der Brandbekämpfung im IA ist. Natürlich trainieren die FwA in diesen Anlagen eine Form der Brandbekämpfung aber es brennt sich auch das mE tödliche Bild

.... in der Flammenhölle Strahlrohr auf und gut ...

ein.

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eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

29.06.2013 09:47
#3 RE: Innenangriffstraining Antworten

Sehr aufschlussreiche Bilderserie

Beim Training mit LPG (hierzulande ja beinahe die Regel wenn es überhaupt eine Heißausbildung gibt) kommt der Trupp nicht in die Verlegenheit, dass der Raum thermisch so aufbereitet ist, dass sich ein Fehler bei der Wasserabgabe auswirkt. Man erinnere sich 1 Liter Wasser ergibt ca. 1700 Leiter Wasserdampf - das heißt mein Raum ist schlagartig mit Wasserdampf gefüllt und der Trupp läuft Gefahr gedünstet zu werden. Durch den erhöhten Dampfdruck versagt da auch schnell mal die hoffentlich richtig angelegte PSA...
Es bringt in der politisch-finanziellen Realität hier derzeit in Deutschland nicht darüber zu sinnieren dass es mehr und bessere Ausbildungsstätten geben müsste. Hier ist der Ausbilder gefragt, der sich zu informieren hat und mit den gegebenen Mitteln die wesentlichen Informationen transportiert.

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eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

01.07.2013 20:00
#4 RE: Innenangriffstraining Antworten

Es gibt einen Abschlußbericht der "Study of the Effectiveness of Fire Service Vertical Ventilation and Suppression
Tactics in Single Family Homes"
des "UL’s Firefighter Safety Research Institute."

Auf 529 Seiten geht es also um eine Studie die sich mit der Wirksamkeit (und Wechselwirkungen!) von (taktischer) vertikaler Ventilation (vertical ventilation) und der Brandbekämpfung in Einfamilienhäusern beschäftigt. Auf den Seiten 3 - 7 liefert die Zusammenfassung (Executive Summary) einen Überblick der Ergebnisse dieser Studie. Vielleicht gelingt es diese Zusammenfassung hier einmal zu übersetzen. Ich denke die Denkanstöße sind wichtig genug geteilt zu werden auch wenn sie sich sowohl von der Einsatztaktik her als auch von der vorherrschenden Bausubstanz bei uns nicht eins zu eins übertragen lassen.

Erste farbige Hervorhebungen durch mich

Die Zusammenfassung im Originaltext:

"... EXECUTIVE SUMMARY
Under the United States Department of HomelandSecurity (DHS) Assistance to Firefighter Grant Program, Underwriters Laboratories examined fire service ventilation and suppression practices as well as the impact of changes in modern house geometries. There has been a steady change in the residential fire environment over the past several decades. These changes include larger homes, more open floor plans and volumes, and increased synthetic fuel loads. This investigation examined the influence of these changes to the fire behaviorand subsequent impact on firefighter tactics relative to horizontal and vertical ventilation and suppression. It is anticipated that the results of this investigation will be incorporated into improved firefighting tactics and decision making to reduce firefighter injuries and fatalities. Vertical ventilation has been used successfully but also resulted in firefighter fatalities in the past, as it is not easily coordinated with suppression and other fire ground tasks such as horizontal ventilation. It is not straightforward for firefighters to train on the effects of vertical ventilation since fire service training structuresand props do not allow for ventilation-limited fire conditions with representative fuel loads and floor plans that will be encountered on the fire ground. Thus, guidance on the effectiveness of vertical ventilation comes from experience gained during real incidents, but under many different fire ground conditions. This has made it difficult to develop comprehensive guidance on the coordination of vertical ventilation with other firefighter tactics, and how these tactics may influence the fire dynamics in the burning home.
The purpose of this study was to improve the understanding of the fire dynamics associated with the use of vertical ventilation so that it may be more effectively deployed on the fire ground. Two houses were constructed in the large fire facility of Underwriters Laboratories in Northbrook, IL. The first house was a one-story house (1200 sqft, three bedrooms, one bathroom) with a total of 8 rooms. The second house was a two-story house (3200 sqft, four bedrooms, two and a half bathrooms) with a total of 12 rooms. The second house featured a modern open floor plan, two-story great room and open foyer.
A total of seventeen experiments were conducted varying the ventilation locations and the number of ventilation openings. Ventilation scenarios included ventilating the front door and a window near the seat of the fire(with modern and legacy furnishings) to link to the previous research on horizontal ventilation, opening the front door and ventilating over the fire and remote from the fire. Additional experiments examined controlling the frontdoor, making different sized ventilation holes in the roof and the impact of exterior hose streams. The results from the experiments led to identification of tactical considerations for the fire service to integrate into their education and fire ground strategiesand tactics where applicable.
These tactical considerations include:

Today’s Firefighter Workplace

The fire service’s workplace has changed and one of several significant factors is home furnishings. As compared to legacy furnishings, the modern home furnishings are made of synthetic materials that have significantly higher heat release rates. This shift speeds up the stages of fire development creating an increased potential for ventilation-limited fire conditions prior to fire department arrival. Most importantly, the time between tactical ventilation and flashover are 2 minutes for the modern fire and over 8 minutes in the legacy fire. The legacy fire could be described as forgiving asit pertains to ventilation. The firefighter has time to recover after poorly timed ventilation or an uncoordinated attack as they have approximately 8 minutes to adapt prior to flashover. The time to recover in the modern fire was approximately 2 minutes or 25% of the legacy time. This data supports the statement that, “You are not fighting your grandfather’s fire anymore.”

Control the Access Door

Tactically, there are several considerations for doorcontrol. Most importantly, it is a temporary action. You have to open a door to gain access into a burning home, but if you limit the air inlet you limit the fire’s ability to grow. The fire dynamics of door control are fairly simple. If you have a ventilation-limited fire and you limit the air, then you limit the heat that is able to be released. While this does not completely cut off the oxygen supply, it slows it, which slows fire growth. In these experiments, flashover was delayed for minutes by limiting the air supply. The longer and further the door is closed, the slower the fire will grow. The door should be controlled until water is applied to the fire. Oncewater goes on the fire and the attack crew has the upper hand, meaning more energy is being absorbed by the water than is being created by the fire, and then the door may be fully opened by firefighters to ventilate.

Coordinated Attack Includes Vertical Ventilation

“Taking the lid off” does not guarantee positive results. Vertical ventilation is the most efficient type of natural ventilation. While it allows the largest amount of hot gases to exit the structure, it also allows the most air to be entrained into the structure. Coordination of vertical ventilation
must occur with fire attack justlike with horizontal ventilation. The way to make sure that the fire does not get larger and that ventilation works as intended is to take the fire from ventilationlimited (needs air to grow) to fuel-limited by applying water. As soon as the water has the upper hand (more energy is being absorbed by the water than is being created by the fire), ventilation will begin to work as intended. With vertical ventilation this will happen faster than with horizontal ventilation assuming similar vent sizes.

How big of a hole?

A 4 ft. by 8 ft. hole over a ventilation-limited firedoes not allow more smoke and hot gases to exit than it creates. A 4 ft. by 8 ft. hole above the fire in each ofthe houses alone did not improve conditions or make ventilation-limited fire conditions into fuel-limited conditions. When water was applied to the fire to reduce the burning rate, the fire became a fuel-limited fire. Once the fire was fuel-limited, the larger the hole the better conditions became for any potential victims or firefighters operating inside the structure.

Where do you vent?

Ventilating over the fire is the best choice if your fire attack iscoordinated. The closer the source of the air to the seat of the fire, the quicker it will increase in size. Placement of vertical ventilation can be a complex situation, especially if you do not know where the fire is in the house. Optimally, where you vertically ventilate depends on the room geometry, door locations, air inlet location, and subsequent flow paths. If you ventilate in coordination with fire attack (the hose stream is removing more energy than is being created), then it does not matter where you ventilate, but the closer to the seat of the fire, the more efficient the ventwill be in removing heat and smoke, which will improve conditions for the remainder of the operations taking place on the fire ground. Ventilating remote from the fire can be effective under some circumstances. If the fire is in a room that is connected to the rest of the house by a doorway, ventilating the roof outside of that room could allow for smoke to be cleared from the rest of the house. However, as
air is entrained to the room, fire will increase insize, while visibility may improve in the flow path leading from the air inlet to the fire room. This is an example where the vertical ventilation may improve visibility even though the fire may grow and local temperatures may increase.

Stages of Fire Growth and Flow Paths

The stage of the fire (i.e., ventilation or fuel limited), the distance from the inlet (door or window) air to the fire, the distance from the fire to the outlet (door, window, roof vent), the shape of the inlet and outlet, and the type and shape of items (furniture or walls) or openings (interior doors) in the flow paths all play key roles in the availability of oxygen to the fire, and ultimately firefighter safety. Operations conducted in the flow path can place firefighters at significant risk due to the increased flow of fire, heat, and smoke toward their position.

Timing is Everything

The purpose of venting is to improve the conditions for firefighters to operate. Some of these improved conditions are cooling, increased visibility, and useful flow paths opposite a hose line to release steam expansion. It is not possible to make statements about the effectiveness of ventilation unless one includes timing. Venting does not always leadto cooling; well-timed and coordinated ventilation leads toimproved conditions. That same ventilation action 30 seconds earlier or later could have a dramatically different outcome. This is especially true for vertical ventilation. Vertical ventilation is efficient in venting heat and smoke but also causes rapid changes in the conditions in the home. Additional considerations about timing include
(i) the fire does not react to additional oxygen instantaneously;
(ii) the higher the interior temperatures the faster the fire reacts;
(iii) the closer the air is to the fire the faster it reacts;
(iv) the higher the ventilation the faster the fire reacts;
(v) the more air the faster the fire reacts, the more exhaust the more air that is able to be entrained.

Reading Smoke

Looking at smoke conditions is a very important component of size-up, but firefighters should not get complacent if there is nothing showing on arrival. In many of the experiments the smoke color changed from black to grey as the fire became ventilation-limited and the pressure within the house decreased. Ten seconds later there was no visible smoke showing at all. No or little smoke showing could mean a fuel-limited fire that is producing little smoke or it could mean a ventilation-limited fire that is in the initial decaystage and starved for air. In order to increase firefighter safety, consider treating every fire like it is ventilation-limited until proven otherwise.

Impact of Shut Door on Victim Tenability and Firefighter Survivability

Behind a closed door is the most likely place to find a victim that can be rescued. When it comes to rescuing occupants, the fire service makes risk based decisions on the tenability of occupants. They assume personal risk if it may save someone in the house. Every experiment included one closed bedroom next to an open bedroom. In every experiment a victim in the closed bedroom was survivable and able to function well through every experiment and well after fire department arrival. In the open bedroom potential victims would be unconscious if not deceased prior to fire department arrival or as a result of fire ventilation actions.

Softening the Target

Applying water into the fire compartment as quickly as possible, regardless of where it is from, can make conditions in the entire structure better. During these experiments water was applied into a door or window with fire coming from it or with access to the fire from the exterior for approximately 15 seconds. This small amount of water had a positive impact on conditions within the houses increasing the potential for victim survivability and firefighter safety. This included stopping water flow for 60 seconds while conditions were monitored. If a firefighter crew had moved in and continued to suppress fire, the conditions would have improved that much faster. During size-up firefighter crews should assess the fastest and safest way to apply water to the fire. This could be by applying water through a window, through a door, from the exterior or from the interior.

You Can’t Push Fire

You cannot push fire with water. The previous UL study (Kerber S. , 2010) discussed the concept of pushing fire in the data analysis. Since the release of that study there has been a lot of discussion about this and stories from well-respected fire service members where this did happen or was perceived to happen. The specific fires that were being recalled by the firefighters were discussed in detail. In many of these conversations the firefighters were in the structure and in the flow path opposite the hoseline. In most cases where firefighters experienced fire moving over their heads, fire attack crews were advancing on the inside and not applying water from the outside into a fully developed fire. All of the current experiments described in this report were designed to examine the operations and the impact ofthe initial arriving fire service units so we did not, do not, and will not suggest that firefighters should be in the position where they are in a flow path opposite the hoseline. However, there are times when this may happen, so the experience of these firefighters should not be discounted. During our discussions, four events could have been witnessed which may have had the appearance of pushing fire:

1) a flow path is changed with ventilation and not water application.
2) A flow path is changed with water application.
3) Turnout gear becomes saturated with energy and passes through to the firefighter
4) One room is extinguished, which allows air to entrain into another room, causing the second room to ignite or increase in burning.

Big volume, apply water to what is burning

In larger volume spaces, such as the family room/great room in the 2-story house, it is important to put water on what is burning. In modern floor plans with open floor plans and great rooms, there is a very large volume, so water application is not the same as a legacy home with smaller rooms and eight foot ceilings. Much of the water applied to a flashover condition in a small room will be applied to burning surfaces and the gases will be cooled as the water is converted to steam. In modern floor plans a stream of water can end up several rooms away from the room that has flashed over. The same open floor planthat can allow water to flow beyond the fire room can allow for suppression of a fire that isseveral rooms away. In open floor plan houses, the reach of a hose stream can be beneficial where in an older home that is divided, it may not be as useful. In a 2-story floor plan like the one used in these experiments, water can be applied into any room from more than 20 ft. away with some open lines of sight longer than 35 ft. This allows the fire to be knocked down from a safer distance without needing tobe in the room or right next to the room to begin suppression. In addition, every bedroom on the second floor could have water flowed into it from the first floor before proceeding up the stairs...."

COPYRIGHT  2013 UNDERWRITERS LABORATORIES INC.

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eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




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15.12.2014 16:41
#5 RE: Innenangriffstraining Antworten

Es ist mehr als begrüssenswert wenn Feuerwehren sich in der Ausbildung mit dem Thema "Innenbrandbekämpfung" beschäftigen.
Noch besser wenn es dort um das vermitteln richtiger Begriffe und notwendiger Fertigkeiten geht. Doch was ist notwendig,
was nicht und was vielleicht sogar gefährlich?

Mal das Pferd von hinten aufgezäumt und einen der geläufigsten Begriffe aus diesem Themenkreis betrachtet:

Der Flashover

Dank eines Hinweises von Teelichtlöscher habe ich etwas dazu in Fire Fighter Skills gelesen, das ich heir gerrn teilen möchte:


Chapter 6 Fire Behavior S.155

FlashOver

Wenn die Temperaturen weiterhin in einem Raum steigen, in dem die Rauchschicht brennt, wird es heiß genug, um einen Flashover (die Raumdurchzündung) zu verursachen. Ein Flashover ist das nahezu gleichzeitige Zünden nahezu aller brennbaren Materialen in einem geschlossenen Bereich oder Raum. In anderen Worten es ist, als ob der gesamte Raum innerhalb von Sekunden in Flammen aufginge. Dabei sind diese Flammen sind nicht auf die Einrichtung (brennbares Material) des Raumes beschränkt. Weil das Feuer alle brennbaren Materialien im Raum bis zum Ausgasen erwärmt, bedeutet es, dass der Raum vollständig mit gasförmigem Brennstoff gefüllt ist. Ein Flashover tritt auf, weil das Zimmer mit einem hocherhitzten (überhitzten) hochentzündlichen Gas gefüllt ist, das sich plötzlich entzündet. Unter diesen Umständen ist ausreichend Wärmeenergie vorhanden, um eine Selbstzündung des gasförmigen überhitzten Brennstoffs im Raum zu verursachen.

In den letzten kontrollierten Experimenten, haben die Underwriters Laboratorien dokumentiert, dass bei einem Flashover die Temperatur von 480 auf 1110°Fahrenheit ( 250° C bis 600° C ) in weniger als drei Minuten ansteigt. Da diese Bedingungen so schnell ändern, kann es zu spät sein, den betroffenen Bereich schnell genug verlassen, um Verletzungen oder dem Tod zu entkommen. Die Temperaturen in einem FlashOver können von Feuerwehrleuten nicht überlebt werden, auch dann nicht wenn sie eine vollständige moderne PSA tragen.



hier der Quelltext:

Zitat von Fire Fighting Skills - Third Edition

Flashover
If the temperatures continue to rise in a room where the
flameover is occurring, it will get hot enough to cause a flash-
over~ A flashover is the near-simultaneous ignition of most of
the exposed combustible material in an enclosed area or room.
In other words, it is as if the entire room erupts into flames
within seconds. These flames are not limited to the contents
of the room. Because the fire has heated the contents of the
room to a point where much of the combustible contents is
vaporized, vaporized fuel is present throughout the room.
A flashover occurs because the room is hued with a super-
heated highly flammable gas that suddenly ignites. In this cir-
cumstance, there is sufficient heat to cause autoignition of the
vaporized and superheated fuel in the room.
In recent controlled experiments, Underwriters Lab-
oratories documented that temperatures can rise from 480oF to
11 lOoF (250oC to 600oC) in less than three minutes in a flash-
over. Because these conditions can change so rapidly, it may be
impossible to exit a structure fast enough to escape injury or
death. The temperatures in a flashover are not survivable for
fire fighters even when they are wearing full PPE.

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eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

06.01.2015 14:04
#6 05012015 Leverkusen [FLASHOVER WÄHREND BRANDBEKÄMPFUNG]- 8 Feuerwehrleute verletzt | Großbrand | Vollbrand | Großeinsatz Antworten

05012015 Leverkusen.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Allen die, die Meinung vertreten oder vertreten haben, dass es solche Brandereignisse bei uns nicht gibt, sei diese Lektüre empfohlen.

http://atemschutzunfaelle.eu/unfaelle/de...leverkusen.html

Hier sind Kameraden vermutlich durch ein Phänomen der extremen Brandausbreitung zum Teil schwer verletzt worden.

An alle mitlesenden Führungskräfte und FwA die ihren Führungskräften nicht auf die Füße treten:

Auch wenn ich mich jetzt extrem unbeliebt mache:


Was unternehmt ihr damit euren Kameraden so etwas nicht widerfährt?

Wie bildet ihr die AGT aus, damit sie Phänomene der extremen Brandausbreitung erkennen und entsprechend reagieren?
Wie erkundet ihr um den Brandverlauf möglichst gut einschätzen zu können?

Denn: So etwas passiert bei uns leider auch!


Achtung möglicherweise belastende Aufnahmen:



Video Nonstopnews bei Youtube:


Video bei RTl now ab 13:06 (leider mit Werbung vorweg):
http://rtl-now.rtl.de/rtl-aktuell/thema-...ayer=1&season=0

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Teelichtlöscher Offline




Beiträge: 419

13.01.2015 08:22
#7 RE: 05012015 Leverkusen [FLASHOVER WÄHREND BRANDBEKÄMPFUNG]- 8 Feuerwehrleute verletzt | Großbrand | Vollbrand | Großeinsatz Antworten

Leider kann man nicht viel zum Hergang sagen.
Über die Dramatik brauchen wir uns hoffentlich nicht unterhalten.

Mir bleibt nur, dass auf der Vorderseite (die Verletzten kamen ja aus dem "Hintereingang"), schon einiges sehr viele Fragen aufwirft.
Bei einer BF in noch höherem Maße...

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Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht der Versager. (Oscar Wilde)

eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




Beiträge: 1.838

13.01.2015 15:03
#8 RE: 05012015 Leverkusen [FLASHOVER WÄHREND BRANDBEKÄMPFUNG]- 8 Feuerwehrleute verletzt | Großbrand | Vollbrand | Großeinsatz Antworten

@Teelichtlöscher, du triffst den Nagel auf den Kopf - es ist klar, dass wir vor hier aus, erst recht mit dem zur Verfügung stehenden Material kaum verwertbare Aussagen zum Hergang machen können. Ebenso verbietet es sich über das Für und Wider der Taktik (die wir nicht kenne) zu räsonieren.
Gerade das Thema Gefahren erkennen, entsprechend beurteilen und angemessen handeln scheint mir immer und immer wieder wesentlich zu sein. Gerade wenn wir selten mit derartigen Ereignissen zu tun haben sollte unser Augenmerk darauf liegen uns hier bestmöglich aufzustellen.
Ich frage mich: Kennen und erkennen meine Leute die Anzeichen einer bevorstehenden Durchzündung? Kennen sie Gegenmaßnahmen und Verhaltensweisen? Verstehen sie wie sich der Strömungspfad im Gebäude auswirken kann? Kenne ich dies alles? Kann ich guten Gewissens einen IA befehlen, wenn ich alles das oben stehende nicht mit "Ja" beantworten kann?
Es stimmt, Unglücksfälle lassen sich manchmal nicht vermeiden - aber was wenn der Unglücksfall nur die konsequente Folge einer unzureichenden Ausbildung war?

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Teelichtlöscher Offline




Beiträge: 419

26.01.2015 10:07
#9 RE: 05012015 Leverkusen [FLASHOVER WÄHREND BRANDBEKÄMPFUNG]- 8 Feuerwehrleute verletzt | Großbrand | Vollbrand | Großeinsatz Antworten

Was mir in dem Zusammenhang einfällt ist folgendes.

In wie weit werden eigentlich die Möglichkeiten UND GRENZEN unserer Einsatzbekleidung ausgebildet.
Gerne wird von "Brandschutzkleidung" gesprochen. In den USA nenn man sie gerne "Turn-Out-Gear". Meines empfindens nach besser geeignet.... Man sollte sich klar darüber sein, dass die Kleidung einem nur eine paar Sekunden mehr für die Chance zur Flucht verschafft.

Ich sehe bei vielen Einsätzen und der Heißausbildung jedoch, dass die Bekleidung bis an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht werden. Im Falle eines Zwischenfalls hat man dann kaum noch Sicherheitsreserven.

Sollte in der heutigen Zeit vielleicht eine WBK/TIC zur Standertausrüstung gehören, um die Temperaturen in seiner Umgebung im Auge zu behalten?
Oder ist bei der modernen Bauweise und den Materialien ein Innenangriff schon wieder kontraindiziert?

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eelser Offline

Pressewart FW SG Hemmoor (real)




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26.01.2015 11:08
#10 RE: 05012015 Leverkusen [FLASHOVER WÄHREND BRANDBEKÄMPFUNG]- 8 Feuerwehrleute verletzt | Großbrand | Vollbrand | Großeinsatz Antworten

Das Thema wird sicher unterschiedlich gehandhabt. Ich weiß was ich ausbilde und kann an dieser Stelle sagen, dass die Grenzen der PSA eines der wichtigsten Themen sind.
Zuallererst ist mit dem tödlichen Irrglauben aufzuräumen, dass unser Überbekleidung und ermöglicht im Innenangriff bei Flammeneinwikrung zu arbeiten. Ein Flashover - das schlagartige entzünden aller brennbaren Gegenstände - in dem Raum in dem wir uns befinden ist das was wir unter allem Umständen vermeiden müssen. Es gelten somit die gleichen Regeln wie vor Jahrzehnten:
Deckung,
Flammeneinwirkung vermeiden,
Feuer unter ausnutzen der größten Wurfweite mit angepasster Strahlform kontrollieren und bekämpfen
....

Zitat von Teelichtlöscher
Man sollte sich klar darüber sein, dass die Kleidung einem nur eine paar Sekunden mehr für die Chance zur Flucht verschafft.



Stimmt ist aber viel zu wenig bekannt dabei steht es exakt so in den überall frei zugänglichen Informationen zu den Schutzklassen der PSA. Es halte es für verpflichtend sich das einmal gründlich zu Gemüte zu führen.

Ansonsten gilt es Bilder zu schaffen - bei allen Ausbildung - da wir leider noch nicht überall die Möglichkeit haben eine umfangreichen Realbrandausbildung durchzuführen.

Der Innenangriff ist dann kontraindiziert wenn die Einsatzkräfte das Risiko nicht einschätzen können und von der Ausbildung her nicht in der Lage sind bevorstehenden Durchzündungen zu erkennen, den Strömungspfad zu beobachten und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen, die geeignete der Strahlform, die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Brandbekämpfung, .... durchzuführen.
Ich denke wir müssen lernen die Vorgänge im Feuer zu verstehen, um einigermaßen sicher zu sein wann wir "rein" können und wie wir auch heil wieder raus kommen. Ein Weg wäre, dass dass Multiplikatoren auf Kreis oder Samtgemeindeebene in den Wehren die Grundlagen schulen.


Eine WBK halte ich ganz persönlich für notwendig wobei es nicht um den Besitz einer solchen geht sondern darum dass die Kamerad in der Hand eines Erfahren Atemschutzgeräteträgers im Innenangriff dabei ist.

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